Hochwasser-Schutz in Graubünden

Wald: ohne ihn ist Chaos im Tal

Im 19. Jahrhundert gab es in Graubünden wesentlich weniger Wald als heute – eine Folge von Kahlschlag und Übernutzung. Als man nach den verheerenden Hochwasser-Ereignissen von 1834, 1839 und 1868 den Zusammenhang zwischen der Entwaldung der Berge und der Katastrophe im Tal erkannte, führte dies zum ersten eidgenössischen Forstpolizeigesetz von 1876, das 1902 überarbeitet wurde. Dieses verbietet Kahlschlag, und verlangt, dass das, was abgeholzt worden ist, auch wieder aufgeforstet wird.

Stichworte zum Wasserbau in Graubünden

  • 1763-1765: Erste Versuche, die Plessur im Raum Chur mit Verbauungen einzudämmen.
  • 1780-1790: Pfarrer Luzius Pol versucht, die Landquart in der Ebene Schiers – Grüsch mit Verbauungsmassnahmen zu zähmen – vergeblich.
  • 1832-1892: Der Hinterrhein im Domleschg wird gebändigt.
  • 1862: Der Bund subventioniert die Rheinregulierung bis zur Tardisbrücke.
  • 1868: Das Hochwasser führt dazu, dass man die Nolla und den Glenner verbaut.
  • 1871: Der Bund beschliesst, dass die Verbauung von Wildbächen und die Aufforstung der Quellgebiete von nationalem Interesse sind.

Die gesamte Länge aller Hang- und Bachverbauungen in Graubünden beträgt 165 Kilometer. Diese 165km bestehen aus:

  • 12km Holzkasten-Verbauungen
  • 34km Wildbachsperren (Beton, Holz, Stein)
  • 110km Entwässerungen
  • 3km Geschiebesammmler
  • 60 Meter Murgang-Netze

Quelle AWN-Faktenblatt „Schutzbauten in Graubünden – für mehr Sicherheit vor Naturgefahren“.


Weiterführende Literatur


Schutzbauten in Graubünden – für mehr Sicherheit vor Naturgefahren. Faktenblatt des Amt für Wald und Naturgefahren, 2011.


Bundesamt für Umwelt BAFU (Hrsg.): Berücksichtigung der Hochwassergefahren bei raumwirksamen Tätigkeiten. Bern, 1997


Die Geschichte des Hochwasserschutzes in der Schweiz. Von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert. 2003, von Daniel Vischer.


Bericht an den schweizerischen Bundesrath über die Untersuchung der schweiz. Wildbäche, vorgenommen in den Jahren 1858-1863. Der Bericht erläutert die Wildbäche Graubündens und den Stand ihrer Verbauungen. Ein spannender Blick zurück in die Zeit, als eine koordinierte und wirkungsvolle Zähmung der schadenbringenden Wasser immer dringlicher wurde.
Vier Jahre nach Veröffentlichung des Berichts ereignete sich das verheerende Hochwasser von 1868.


Nationale Plattform Naturgefahren PLANAT: Beurteilung der Wirkung von Schutzmassnahmen gegen Naturgefahren als Grundlage
für ihre Berücksichtigung in der Raumplanung. Teil E: Wildbäche. PLANAT, 2008


Nationale Plattform Naturgefahren PLANAT: Beurteilung der Wirkung von Schutzmassnahmen gegen Naturgefahren als Grundlage
für ihre Berücksichtigung in der Raumplanung. Teil F: Flüsse. PLANAT, 2008


Links


Hochwasser-Schutzbauten in ihrem Lebensraum
Diese detailierte Karte zeigt Ihnen, ob es Schutzbauten gibt, die Sie und Ihren Lebensraum vor Hochwasser und Murgängen (Rüfen) schützen.

Karte mit den Hochwasser-Schutzbauten in Graubünden


Ein Blick in die Vergangenheit – wie man sich vor über 100 Jahren vor Wildbächen schützte.

Die Bäche, Schneelawinen und Steinschläge und die Mittel zur Verminderung der Schädigungen durch dieselben Elias Landolt, 1886.

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Geschützt baden in der Therme Vals. Schutzwald oberhalb Vals.


Bild Markus Weidmann / Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden

Quelle Hilfiker, M., Fischer, M., Weidmann, M.: Hundert Jahre Gebäudeversicherung in Graubünden. Vordenken – Nachdenken. Verlag GVG, 2007 / A. Bischoff, Tiefbauamt Graubünden